Diagnose: Stadt

Noch vor 60 Jahren lebte weniger als ein Drittel der Weltbevölkerung in Metropolen. Heute wohnen mehr als die Hälfte in Städten. Experten schätzen, dass es bis 2050 sogar 70 Prozent sein werden. Millionen Menschen ziehen mit gutem Grund weltweit vom Land in die Städte. Die Großstadt bietet gute berufliche Perspektiven und ein pulsierendes Leben. Doch das Zuhause in der Metropole hat seine Schattenseiten. Forscher haben herausgefunden, dass die Großstadt unser Gehirn verändert. Wer hier geboren und verwurzelt ist, hat gute Chancen ein Großstadtneuritiker zu werden. Etliche schwere psychische Erkrankungen treten hier verstärkt auf.

Deutsche Großstädter beispielsweise leiden bis zu 40 Prozent häufiger an Depressionen als Menschen, die auf dem Land aufgewachsen sind, die Quote der Angststörungen ist um rund 20 Prozent erhöht. Noch dramatischer steigt das Risiko, an Schizophrenie zu erkranken. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gefahr für den Geist mit der Größe der Stadt wächst. Wer hier groß geworden ist, zeigt unter Stress eine ähnliche Aktivität in bestimmten Hirnregionen wie Menschen, die aufgrund einer genetischen Disposition anfällig für Schizophrenie sind. Die Großstadt hat einen bisher wohl unterschätzten Einfluss auf uns Menschen: Sie verändert unser Gehirn.

Beitrag
Olga Schweigert
Kommunikationsdesign (B. A.)
Sommersemester 2015

kranke_Psyche.ai

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